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Erste Versammlung nach der Gründung 2013

Heimatvereine und gesellschaftliche Entwicklung

In den letzten 25 Jahren sind viele Heimatvereine gegründet worden. Konzen hat sich vor über 25 Jahren (1987) als Verein zu Pflege kultureller und dorfgeschichtlicher Zwecke gegründet.

  • HV Imgenbroich                  1988

  • HV Höfen                            1991

  • HV Lammersdorf                1982

  • HV Mützenich                     1998

  • HV Kalterherberg                2008

  • HV Rohren                          1994

  • AK Eicherscheid             

  • HV Rollesbroich                  2016

  • AK Steckenborn

  • HV Rurberg/Woffelsbach

  • HV Kesternich

  • HV Einruhr

Die meisten Gründungen waren also in den letzten 20 Jahren. Was ist hierfür der Grund?

In Konzen war es die 1100Jahrfeier. Gibt es aus der gesellschaftlichen Entwicklung heraus eine Erklärung?

Welche Zielsetzung oder welche Bedürfnisse haben die Heimatvereine?

Sicherlich wollen die HV nicht das Mittelalter wieder herstellen. Zu kurz gegriffen ist auch die oft zu beobachtende Haltung: „Früher war alles besser. Auch nostalgische Schwärmerei ist die Haupttriebfeder zur Gründung von HV.

Es könnte aber eine Reaktion auf die Schnelligkeit und Intensität gesellschaftlicher Entwicklung sein. Es ist nicht in erster Linie der Staub der Geschichte der aufgewirbelt werden soll, sondern die Gegenwart, die morgen Vergangenheit sein wird, steht im Fokus der HV.

  • So erleben wir derzeit die Mutation der Vennbahn von einer Eisenbahnlinie zu einem Premiumradweg, die RAVEL Route.

  • Die Kirchen werden leerer und Schließung, Zweckveränderung oder Abriss drohen. Religiöse Riten verändern sich (Taufe Hochzeit Beerdigung) Jedes Dorf mit eigenem Pfarrer ist schon Geschichte. Die Entstehung der GdG führt zum Pfarrer auf Rädern.

  • Die Schule im Ort als zentraler Mittelpunkt ist in Gefahr.

  • Die Großfamilie gibt es kaum noch. Dafür haben wir Patchwork-Familien. Machen Sie mal eine Ahnentafel!! Mehrfach geschieden – Schwulenehe – Lebensabschnittpartner. Die Unverbindlichkeit scheint zum Lebensprinzip zu werden.

  • Kinder kommen in die Krippe, Alte ins Heim und Mann und Frau ist außerhalb beschäftigt.

  • Durch größere Mobilität schon im Kindesalter findet eine stärkere Mischung der Bevölkerung. Der Charakter des Dorfes verliert seine Konturen und es entstehen Schlafdörfer.

  • Die demografische Entwicklung macht auch vor der Eifel nicht Halt. (10 Goldhochzeit zu einer Grünen). Die Urbanisierung (=Anonymisierung) nimmt zu. Orte wie Rott und Roetgen im Einzugsgebiet von Aachen kämpfen um ihre Identität. Man kennt und interessiert sich nicht mehr.

  • Die Kneipenkultur ist im Niedergang. Ursache sind Kirchgang, Freizeitverhalten und Emanzipation der Frauen.

  • Die schnelllebige Zeit frisst die Seele auf. Burnout und Psychotherapeuthen sind auch in der Eifel angekommen.

 

Gleichzeitig hat sich das Image der Eifel vom Negativen zum Positiven gewandelt.

So betrachtet sich Roetgen heute als Tor zur Eifel. Das Wort Eifel ist zum Werbeträger geworden: Eifelroute, Eiofelsteig, Eifelbier, Eifelhexe, Eifelsenf, Eifelwurst, Eifelsteaks vom Eifelmetzger, Eifelkrustis aus der Eifelbäkerei. Es gibt den Slogan: Getreide Mehl und Brot: Hier steckt Eifel drin.

Ist dieser gesellschaftliche Wandel nun anders als ihn schon immer frühere Generationen wahrgenommen haben? (Beispiel Balthasar Hürtgen 1929)

Nach meiner Beobachtung ist der Umbruch in zwei Dimensionen neu:
  1. die Schnelligkeit

  2. die Intensität der Veränderungen.

 

Die Unbeständigkeit in der Arbeitswelt, die von einer Neuorganisation in die andere stolpert, ist das Beständige. Damit geht die Vertrautheit und Überschaubarkeit verloren. Wenn man nach drei Jahren Auszeit wieder in den Beruf einsteigen will, muss man neu angelernt werden, weil sich alles verändert hat. Selbst Gesetze ändern sich so schnell, dass kaum noch jemand ein Überblick behält. Oder kann mir jemand den heutigen Stand der Führerscheinklassen genau nennen? Vor 40 Jahren gab es noch § 175 StGB, heute kämpft man vor dem BvG um Gleichbehandlung.

Ein PC oder Handy ist nach drei Jahren Elektroschrott. Reparaturen kommen aus der Mode. Auch Kleidungstücke, Haushaltsgeräte oder Werkzeuge werden nicht mehr repariert, sondern neu beschafft. Die Beispiele ließen sich fortsetzen.

Wieso gründen sich in einer solchen Zeit des Umbruchs Heimatvereine?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten und wahrscheinlich hat jeder Verein eine andere Entstehungsgeschichte. Sind die Gründungen jetzt zufällig? Oder ist dies auch im gewissen Sinne eine Gegenbewegung zu den oben genannten Entwicklungen. Nicht alles Neue ist schlecht aber auch nicht immer ein Segen. Es ist wie mit dem Messer, es kann töten und Brot schneiden. Es kommt also darauf an, was der Mensch damit macht. Die Sehnsucht nach Entschleunigung und Angst vor der Zukunft sind häufig zu beobachtende Merkmale.

Meiner Auffassung nach passt in dieses Bild die Gründung von Heimatvereinen als Antwort.

In diesem Szenario könnten die Heimatvereine nun folgende Ziele haben:
  1. Sie können auf Entwicklungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Einfluss nehmen. Hierzu gehört eine Bewertung, die nicht rückwärtsgewandt sein darf. Aber auch nicht jede Veränderung ist ein Segen. Die Möglichkeiten haben natürlich ihre Grenzen und deshalb kann auch Frust entstehen.

  2. Veränderungen, ob nun als Fortschritt empfunden oder nicht, sollten aber dokumentiert werden, damit die Vergangenheit nicht dem Müllcontainer überlassen wird. Ursache und Wirkung werden hierdurch vielleicht sichtbarer und es kann auch dazu führen, dass dies zu Korrekturen führt. (Beispiel: Ortschilder)

 
Beispiele zu diesem Aufgabenfeld:
  1. Beerdigungskultur

  2. Religiöse Riten (Taufe, Kinderkommunion Hochzeit,)

  3. Kirmes und Karneval

  4. Supermarkt und Nahversorgung

  5. Strukturveränderungen in der Pfarre, Kirchennutzung, GdG, Priester

 

Veränderungen wird es immer geben, ob sie nun als positiv oder negativ gesehen werden, und auch Heimatvereine sollten nicht stehen bleiben. Die Aufgabe von HV sollte aber immer sein, zu dokumentieren, was sich verändert hat, auch wenn man der Auffassung ist, dass die Entwicklung falsch ist.

Hier einige Beispiele, wo dies sinnvoll war:

  • Imgenbroich hat ein völlig neues Gesicht bekommen. Das alte Bild ist mit dem Abriss der Gaststätte zur Linde gänzlich aufgelöst

  • Vennbahn vom Abbau bis zur Umwandlung als Radweg

  • Kirchenorganisation einschl. baulicher Veränderungen

  • Änderungen dörflicher Rituale

  • Ortsdialekte verschwinden

  • Die Schullandschaft ändert sich grundlegend

 

Das alles wird nicht selbstverständlich festgehalten. In der Gegenwart glaubt man zwar immer, dass das Bewusstsein andauert, aber wer sich mal mit der Herstellung einer Chronik beschäftigt hat, der weiß, dass vieles im Dunkel der Vergangenheit verschwindet.

Was ist zu tun?
  1. Die Möglichkeiten der heutigen Zeit sind sehr vielfältig, die Dinge festzuhalten. Die digitale Fotografie und Videografie macht es technisch einfach. Allerdings muss man die Frage stellen, ob das in 100 Jahren noch reproduzierbar ist. Wichtig ist aber immer noch der Mann oder die Frau hinter der Kamera. Der Blick für den Grundsatz „Gegenwart ist Vergangenheit von morgen“ ist gefragt. Dann ist die Archivierung, Auswahl und Recherchefähigkeit ein wichtiger Punkt. Man kann nicht alles sammeln und man sollte auch nach Jahren noch etwas finden.

  2. Heimatvereine sollten keine Seniorenclubs sein, die in der Art der Veteranentreffen die Vergangenheit beweihräuchern. Sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen und sich einbringen, ist genauso wichtig wie die Erforschung der Vergangenheit. Dazu sollten auch Kinder und Jugendliche gewonnen werden. Das fängt mit der Besetzung von Vorständen an und hört mit der Zielsetzung auch für jugendliche Mitglieder auf.

  3. Jeder Heimatverein sollte darum bemüht sein, einen neutralen, personenunabhängigen Ort einzurichten, an dem Material gesammelt und ausgewertet werden kann. Ein Dorfarchiv oder ähnliches. Es muss nicht immer ein Museum sein. Nicht immer vererbt sich das Interesse für Heimatgeschichte und so landen oft wertvolle Sachen oder Fotos ohne Beachtung im Müll.

 

Lassen Sie mich zum Schluss einen Vergleich aus der Natur bringen. Heimatvereine sollten wie Baumpfleger sein. Die Wurzel als Symbol der Vergangenheit sollten gepflegt werden, damit ein gesunder Aufbau Standfestigkeit und Langlebigkeit gewährleistet ist. Totes Gehölz und Schosstriebe sollten entfernt werden.  Dann kann eine gesunde Baumkrone Schatten spenden und Blüten auf neues Leben hoffen lassen.

Manfred Huppertz

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Sitzung in Simmerath zur alten Post

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